Umweltmigration - Definitionen

Hier gibt es Information zu:

  • Grundlagendefition "Umwelt"
  • Was ist Umweltmigration und/oder Umweltflucht? 
    • Migration und Migrationsfaktoren
    • Typen der Umweltmigration
    • Migrationsformen
    • Definitionen von und Diskussion über "Umweltflüchtlinge"
    • Politische Maßnahmen
  • Definition von Umweltmigration für diese Website
  • Mehr Informationen (Links)

Grundlagendefinition "Umwelt"

Je nach Fokus, den man setzt, wird „Umwelt“ unterschiedlich definiert. Im Falle der „Umweltmigration“ wird häufig eine naturwissenschaftliche Definition benutzt. Die gesamte räumliche Umgebung, die die Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen bildet, wird dabei benannt. Als lebenssichernde Ressourcen gelten Wasser, Boden und Luft. (siehe: Quality Datenbank)

 

Diese Umwelt wird im stetigen Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten gesehen. Der Mensch übt ständig Einfluss auf die ihn umgebende Welt aus. Gleichzeitig reagiert er auf die Umwelt, die sich aufgrund seiner Tätigkeiten verändert. Der Klimawandel, der auf menschliche Tätigkeiten zurückgeführt wird, ist somit auch Teil dieser Umwelt.

 

Mehr Informationen:


Was ist Umweltmigration und/oder Umweltflucht?

Migration und Migrationsfaktoren

Migration bedeutet Wanderung. Wanderung an einen anderen Ort, in eine andere Region, in ein anderes Land[1]. Umweltmigration liegt also vor, wenn jemand aufgrund von Naturkatastrophen oder anderer Umwelteinflüsse, die seine Lebensgrundlage gefährden, die Entscheidung trifft sein Zuhause zu verlassen? Jedoch kann Umwelt nicht als isolierter Faktor herausgefiltert werden, der letztendlich zur Entscheidung führt seine Heimat zu verlassen, da die Umwelt einen wesentlichen Einfluss auf die ökonomische und ökologische Situation einer Region ausübt. So spielen u.a. wirtschaftliche, aber auch soziale, ethnische und altersspezifische Gründe eine entscheidende Rolle. ob, wie lange und wie man seine bisherige Heimat hinter sich lässt, um in der Ferne sein Glück zu versuchen.

 

Gerade bei desaströsen Naturkatastrophen, die nur kurz andauern, kann man häufig beobachten, dass Menschen schon nach kurzer Zeit wieder zurückkehren und sich an gleicher Stelle wieder niederlassen und ein neues Leben starten. Sie migrieren nur für kurze Zeit innerhalb der Landesgrenzen und betreten in diesem Fall eher selten ein fremdes Land.

Bei Veränderungen der Umgebung, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, ist meist die Umwelt (wie die Eignung des Bodens für die Landwirtschaft, Verfügbarkeit von Wasser und anderer Ressourcen) nicht der Hauptgrund für die Abwanderung. Andere Faktoren, die zur Entscheidung beitragen, sind etwa wirtschaftliche Chancen, bessere Bildungsmöglichkeiten, ausgebaute Sozialsysteme, Erwartung der Familie/Gruppe und Flucht aufgrund der politischen Situation im Heimatland[2]. Diese Art der Migration erfolgt häufiger über die Landesgrenzen hinaus.

 

Aufgrund der unterschiedlichen Faktoren die letztendlich zur Migrationsentscheidung führen, ist es nur schwer möglich die Zahl der Umweltmigranten statistisch zu erheben. Dazu kommt die Einteilung in Klimaflüchtlinge und Umweltflüchtlinge, die für Verwirrung sorgt. Erst im Jahr 2011 organisierte der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen UNHCR ein Expertentreffen über Migration und Klimawandel und verbannte die Begriffe „Klimaflüchtling“ und „Umweltflüchtling“[3], da eine Unterscheidung fast nicht möglich ist[4].

Typen der Umweltmigration

Im Bericht EACH-FOR (2009) wird zwischen drei verschiedenen Typen der Umweltmigration unterschieden[5]:

 

Migration von Menschen, die …

  1. als Folge von Umweltveränderungen freiwillig ihre Herkunftsgebiete verlassen (Umweltmigranten);
  2. gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen, um Umweltrisiken und damit ein Risiken für Leib und Leben zu vermeiden (umweltbedingte Dislozierung); oder
  3. in Zusammenhang mit einer geplanten Umgestaltung der Landschaft umgesiedelt werden (entwicklungsbedingte Dislozierung). (Zusammenfassung siehe hier

Migrationsformen

Bei der Betrachtung der Formen von Migration muss auch unterschieden werden, welche Ereignisse zu welcher Form der Migration führen. Internationale Umweltmigration scheint bisher hauptsächlich nur aufgrund von dauerhaften Ereignissen zu erfolgen.

 

Quelle: María Máñez Costa (CSC) und Jürgen Scheffran (Klimacampus Hamburg) "Die Flucht vor dem Klimawandel", Seite 5
Quelle: María Máñez Costa (CSC) und Jürgen Scheffran (Klimacampus Hamburg) "Die Flucht vor dem Klimawandel", Seite 5

Definition von und Diskussion über „Umweltflüchtlinge“

Die Schwierigkeit eine eindeutige Definition zu finden, spiegelt sich auch in der Diskussion wieder, was ein Umweltflüchtling ist und ob deren Fluchtgründe international anerkannt werden sollen, was hieße, dass ihnen Asyl gewährt und der Flüchtlingsstatus zuerkannt wird (mit allen einhergehenden rechtlichen und sozialen Unterstützungen vonseiten des Gastlandes). Bisher werden die Fluchtgrunde von Umweltmigranten nur zu einem kleinen Teil anerkannt, wie folgende Grafik zeigt:

Quelle: Focus Migration
Quelle: Focus Migration

Genauso wird auch diskutiert, ob der Begriff „Umweltflüchtling“ an sich sinnvoll ist, da so die ursprüngliche Bedeutung von „Flüchtling“ abgeändert und geschwächt wird. Flüchtlinge sind jene Personen, die vom internationalen Recht geschützt werden müssen, weil sie in deren Heimatland bedroht sind. Im Falle der Umweltmigration, die aufgrund von längerfristig wachsenden Problemen entsteht (z.B. Wasserressourcen werden knapp, Überbewirtschaftung), erfolgt die Bedrohung jedenfalls nicht direkt durch den Staat. Daher ist es schwer das Wort „Flüchtling“ auf jemanden anzuwenden, der seine Heimat unter anderem aufgrund der Umweltprobleme verlässt[6].

 

Hier gibt es eine kurze Übersicht zur Erklärung welche Szenarien (z.B. schleichende Verschlechterung der Umweltbedingungen und Sinking-Islands-Szenario)

  • welche Art der Migration
  • in welchen Regionen hervorgerufen haben und
  • welcher Rechtsschutz für betroffene Menschen besteht und
  • wo sich Rechtslücken zeigen.

Politische Maßnahmen:

Auf europäischer Ebene entstand das Weißbuch „Anpassung an den Klimawandel: ein europäischer Aktionsrahmen“ (2009)[7]. Doch eine gemeinsame Definition, wer ein Umwelt- und wer ein Klimaflüchtling ist, fehlt auch in der EU noch immer.

Die International Law Commission der UN veröffentlichte das Paper „Protection of persons in the event of disasters“, was jedoch nur den Zivilschutz bei extremen Ereignissen behandelt und noch in Arbeit ist.


Definition von Umweltmigration für diese Website:

Im Rahmen dieser Website verstehen wir Umweltmigration als eine länger andauernde Migration, deren Ursache u.a. in den Umwelt- und Klimaeinflüssen begründet liegt. Darunter zählen Umweltphänomene, die direkt durch den Menschen verursacht wurden, wie Staudammbau, atomare Verseuchung, und Umweltphänomene, die z.T. auch indirekt durch den Menschen beschleunigt werden, wie die Klimaerwärmung und damit das Abschmelzen der Gletscher und der Anstieg des Meeresspiegels.

(01.07.2012, Aha)


Quellen:

 

Literatur:

  • IOM (2012) “Climate Change, Environmental Degradation and Migration (International Dialogue on Migration”, International Organization for Migration, 86 Seiten.
  • Jane McAdam (2012) “Climate Change, Forced Migration, and International Law”, Oxford University Press, 322 Seiten.
  • Katharina Weberhofer (2011) “Climate Refugees: Finding a legal solution by facing the greatest humanitarian catastrophy”, VDM Verlag Dr. Müller, 84 Seiten.
  • Collectif Argos (2010) “Climate Refugees“, Mit Pr, 349 Seiten.
  • Tamer Afifi und Jill Jäger (Hrsg.) (2010) "Environment, Forced Migration and Social Vulnerability", Springer Verlag Berlin Heidelberg, 210 Seiten. (Rezension auf bpb)
  • Sally Morgan (2010) “Changing Planet: What Is the Environmental Impact of Human Migration and Settlement? (Investigating Human Migration & Settlement)”, Crabtree Pub, 48 Seiten.
  • IOM (2009) “Climate Change, Environmental Degradation and Migration: Addressing Vulnerabilities and Harnessing Opportunities”, Stationary Office Books, 99 Seiten.
  • Jan Ingu Knuth (2009) '"Umweltflucht als Gegenstand einer Vulnerabilitätsanalyse: Umweltflüchtlinge, Wissenschaft und internationales Recht - Herausforderungen für die internationale Gemeinschaft in Zeiten des Klimawandels", VDM Verlag Dr. Müller, 160 Seiten.
  • Jon D. Unruh et al. (2004) “Environmental Change and its Implications for Population Migration (Advances in Global Change Research)”, Springer, 324 Seiten.

 

Filme und Dokumentationen:

Arte. Mit offenen Karten (2008)  "Klimaflüchtlinge" 

Michael P. Nash (2010) "Climate Refugees" (Trailer)

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    joey tiede (Mittwoch, 14 September 2016 10:21)

    ein sehr schöner beitrag