Überschwemmung

Überschwemmungen scheinen immer häufiger vorzukommen.

Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig unterscheiden zwischen zwei Arten von Überschwemmungen:  

  • Großräumige Hochwasser   

Diese Überschwemmungen finden vor allem an großen Flüssen statt, wie zum Beispiel der Elbe. Über mehrere Tage oder gar Wochen hinweg staut sich das Wasser besonders in den Nebenflüssen am Oberlauf auf. So haben potentiell Betroffene (theoretisch) Zeit sich auf die Überflutung vorzubereiten.

  • Lokale Sturzflut

Innerhalb kürzester Zeit steigt der Wasserpegel von meist kleinen Gewässern aufgrund von heftigen Unwettern. Diese Sturzfluten treten plötzlich auf, weshalb sich Betroffene nicht darauf vorbereiten können. Die Vorhersagen solcher Gewitter sind sehr schwierig. Hinzu kommt, dass besonders lokale Faktoren, wie die Art der Erdoberfläche (z.B. Versiegelung, Rodung oder Gesteinsuntergrund), die Stärke der Überschwemmung bedingen. Zukünftig soll vor allem die Frequenz dieser kurzfristigen Überschwemmungen steigen.

 

Eine Ursache ist das gleichzeitige Auftreten von unterschiedlichen Umweltphänomenen, die u.a. auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Jedoch spielen weitere, vom Klimawandel unabhängige Faktoren meist eine stärkere Rolle, weshalb die katastrophale Wirkung auf die Menschen zugenommen hat.

 


Vom Klimawandel abhängige Faktoren

Durch den Anstieg des Meeresspiegels steigt automatisch auch der Wasserstand der Flüsse, insbesondere im Unterlauf und im Mündungsbereich. Als Folge dessen treten diese nach Regen schneller über die Ufer und überschwemmen die Umgebung.

 

Das schnellere und stärkere Abschmelzen von Gebirgsgletschern sorgt ebenfalls für einen höheren Wasserstand der Flüsse. Außerdem können sich zeitweise Seen bilden, die jederzeit brechen und wie eine Lawine ins Tal hinabstürzen können.

 

Veränderte Wetterzyklen verursachen teilweise stärkere Regenfälle in kürzerer Zeit und lassen Flüsse und Seen innerhalb kürzester Zeit über die Ufer treten. Wenn zuvor lange Regen ausblieb, ist das Land außerdem so stark ausgetrocknet, dass diese Menge an Wasser kaum im Boden versickern kann. Folglich bleibt es an der Oberfläche und sorgt in großen Mengen für eine Überschwemmung.

 

Starkniederschläge könnten um 40mm und mehr pro Tag zunehmen. Eine Ursache sind die steigenden Temperaturen in der Atmosphäre.

 

Vom Klimawandel unabhängige Faktoren

Die zunehmende Urbanisierung vor allem an Flussläufen und an der Küste verstärkt die Wirkung von Hochwassern. Dadurch werden auch Flächen versiegelt, auf denen das Wasser einst versickern konnte. Besonders ärmere Menschen lassen sich vor allem in diesen gefährdeten Regionen nieder.

 

Durch die Rodung von Wäldern verändert sich die Bodenbeschaffenheit. Hänge erodieren nun bei Regen leichter. Außerdem versickert der Regen nicht mehr im Boden, sondern gelangt ungehemmt in Flüsse und Bäche.

 

Politische Konflikte zwischen Ländern, die sich Flussläufe teilen, führen häufig zu fehlendem Informationsaustausch zwischen diesen Staaten. Wenn bereits an Flussoberläufen Hochwasser auftreten, diese Informationen jedoch vom betroffenen Staat nicht an den Nachbarstaat weitergegeben werden, können sich Gebiete am Flussunterlauf nicht auf die Flutwelle vorbereiten.


© Maria Wahle
© Maria Wahle

Das Zusammenspiel dieser zahlreichen Faktoren und der Umstand, dass vor allem spontane Sturzgewitter zunehmen werden, erschweren die Vorhersage von Niederschlagsmengen und die Wahrscheinlichkeit von schweren Überschwemmungen.

Hinzu kommen folgende Probleme:

 

  • Große Überschwemmungen werden zunehmen, während die Häufigkeit von mittleren Überschwemmungen abnehmen wird. Mittlere Überschwemmungen haben eine geringere zerstörerische Wirkung und Menschen können sich leichter und schneller auf sie vorbereiten.
  • Niederschlagsmessungen sind sehr kompliziert und aufwendig 
  • Messbecher, die die Niederschlagsmenge messen, werden nicht flächendeckend eingesetzt. 
  • Radarmessungen können zwar feststellen, wo es regnet, jedoch sind keine Aussagen über Menge und Art des Niederschlags möglich. 
  • Es existiert keine internationale Hochwasserdatenbank, was eine Vorhersage erleichtern würde. Ein Grund für ihr Fehlen ist vor allem, dass die Messreihen, auf denen solch eine Datenbank aufgebaut werden könnte, bisher zu kurz sind. 
  • Existierende globale Modelle beachten regionale Unterschiede nicht, da der Maßstab zu groß ist (ein Baustein entspricht einer Länge von 200 Kilometern). So entsteht ein Durchschnittsprofil, in dem kleinere Bäche und Flüsse, Berge und Täler nicht auftauchen.

 

Zukünftig müssen deshalb …

 

Modelle mit einem kleineren Maßstab entstehen, die ganzheitlich angelegt sind und unterschiedliche Faktoren beachten. Zu diesen Faktoren gehören Bodenart, Bodendichte, Bodenfeuchte und Vegetation

 

Deiche gebaut bzw. erhöht werden

 

Rückhalteräume für Hochwasser, also Überschwemmungsflächen in unbewohntem Gebiet geschaffen werden

 

… die Bodenversiegelung durch Bebauung verhindert bzw. verringert werden

 

… auf politischer Ebene Hochwasserkrisenstäbe eingesetzt und mit den nötigen finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen ausgestattet werden

 

Überschwemmungen können Migrationen auslösen, weil sie die Lebensgrundlage von Menschen zerstören. Gleichzeitig bewirken Menschen durch die Migration vor allem in urbane Regionen, eine Verstärkung der Überschwemmungen.

 

  (Update am 02.09.2012, Aha)

Das Zusammenspiel dieser zahlreichen Faktoren und der Umstand, dass vor allem spontane Sturzgewitter zunehmen werden, erschweren die Vorhersage von Niederschlagsmengen und die Wahrscheinlichkeit von schweren Überschwemmungen. Hinzu kommen folgende Probleme:

·         Große Überschwemmungen werden zunehmen, während die Häufigkeit von mittleren Überschwemmungen abnehmen wird. Mittlere Überschwemmungen haben eine geringere zerstörerische Wirkung und Menschen können sich leichter und schneller auf sie vorbereiten.

·         Niederschlagsmessungen sind sehr kompliziert und aufwendig

o    Messbecher, die die Niederschlagsmenge messen, werden nicht flächendeckend eingesetzt.

o    Radarmessungen können zwar feststellen, wo es regnet, jedoch sind keine Aussagen über Menge und Art des Niederschlags möglich.

·         Es existiert keine internationale Hochwasserdatenbank, was eine Vorhersage erleichtern würde. Ein Grund für ihr Fehlen ist vor allem, dass die Messreihen, auf denen solch eine Datenbank aufgebaut werden könnte, bisher zu kurz sind.

·         Existierende globale Modelle beachten regionale Unterschiede nicht, da der Maßstab zu groß ist (ein Baustein entspricht einer Länge von 200 Kilometern). So entsteht ein Durchschnittsprofil, in dem kleinere Bäche und Flüsse, Berge und Täler nicht auftauchen.

Zukünftig müssen deshalb …

… Modelle mit einem kleineren Maßstab entstehen, die ganzheitlich angelegt sind und unterschiedliche Faktoren beachten. Zu diesen Faktoren gehören Bodenart, Bodendichte, Bodenfeuchte und Vegetation

… Deiche gebaut bzw. erhöht werden

… Rückhalteräume für Hochwasser also Überschwemmungsflächen in unbewohntem Gebiet geschaffen werden

… die Bodenversiegelung durch Bebauung verhindert bzw. verringert werden

… auf politischer Ebene Hochwasserkrisenstäbe eingesetzt und mit den nötigen finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen ausgestattet werden

 

Überschwemmungen können Migrationen auslösen, weil sie die Lebensgrundlage von Menschen zerstören. Gleichzeitig bewirken Menschen durch die Migration vor allem in urbane Regionen, eine Verstärkung der Überschwemmungen.

Zum Thema Überschwemmung lesen Sie auch den Beitrag über:

Nepal

Pakistan


Quellen:

Fachpublikationen:

  • bild der wissenschaft plus (August 2012) "Wasserwissen. Deutschlands Forscher auf dem Weg zur Water Science Alliance", Sonderpublikation in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Konradin Medien GmbH, Leinfelden-Echterdingen, 44 Seiten.

 

Fotos:

 

 


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