Desertifikation

© Falk Harnisch
© Falk Harnisch

Desertifikation bedeutet, dass sich Trockengebiete (z.B. Wüsten) weiter ausbreiten. Dieser Prozess gefährdet die Lebensgrundlage von Menschen, da sich die Ernte in diesen Regionen verringert oder der landwirtschaftliche Ertrag komplett erlischt.

 

Der Unterschied zwischen Dürre und Desertifikation besteht darin, dass Dürren relativ kurz andauernde Naturkatastrophen sind. Desertifikationen vollziehen sich im Gegensatz dazu eher indirekt, werden oft durch menschlichen Einfluss hervorgerufen bzw. beschleunigt und sind ein langsam einsetzender, wachsender Prozess (François Gemenne et al., 2006).

 

François Gemenne et al. (2006) unterscheiden vier verschiedene Zyklen:

  • Sehr lang andauernder Zyklus: Aridifzierung
    Über Generationen hinweg kommt es zu Bevölkerungsverschiebungen.
  • Mittelfristiger Zyklus: Desertifikation 
    Dieser wachsende, oft periodisch auftretende Zyklus führt zu Migration als Überlebensstrategie
  • Kurzfristiger Zyklus: Dürren 
    Die Migration erfolgt nicht freiwillig, jedoch besteht die Möglichkeit der Rückkehr.
  • Saisonaler Zyklus 
    In einer Bevölkerungsgruppe ist es Teil der sozialen Routine geworden von den Saisonen abhängig zu migrieren.

 

Gründe für Desertifikation sind:

  • Landwirtschaftstechniken, die den Boden auf lange Sicht verarmen lassen (z.B. Monokulturen und Überweidung)
  • Abnahme der Wasserressourcen
  • Bevölkerungszunahme

 

Migration ist dann eine Reaktion auf Desertifikation. Oft wird Desertifikation jedoch von weiteren Faktoren, die indirekt-direkt mit diesem Naturphänomen zu tun haben, begleitet (UNCCD, 2008):

  • Konflikt: Einer Region stehen immer weniger und qualitativ minderwertige natürlich Ressourcen zur Verfügung bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum oder Zunahme des Pro-Kopf-Verbrauchs. In dieser Region gibt es außerdem einen ungleichen Zugang zu diesen wenigen natürlichen Ressourcen.
  • Mangel an Wasserressourcen
  • Landbesitzverhältnisse (ungleiche Aufteilung bzw. ungeklärt)
  • Rückgang des wenigen Gewinns in der Landwirtschaft
  • Keine angemessene grundlegende Infrastruktur
  • Geringes Einkommen
  • Unterbeschäftigung
  • Ernährungsunsicherheit

 

Von Desertifikation, d.h. der Ausbreitung von Wüsten, sind weltweit über 250 Millionen Menschen direkt betroffen (UNCCD, 2006). Vor allem in Trockengebieten in Asien, Afrika und Mittelamerika müssen Menschen ihre Heimat verlassen. Desertifikation ist hier eine Ursache für die Migration. Jedoch kann Migration die Desertifikation noch fördern: durch die Bevölkerungszunahme in einer Region wird der Boden mehr beansprucht und das Risiko, dass das Land dadurch (schneller) verarmt, steigt rapide. (François Gemenne et al., 2006)

 

Menschen, die als Reaktion auf Desertifikation, migrieren, zieht es vorrangig in Städte. Die damit einhergehende Urbanisierung fördert in der Folge weitere Migrationen, auch international. Häufig werden zudem neue Siedlungen, vor allem entlang der Weiderouten der Nomaden errichtet (z.B. in Afrika). Daher ist ein Umdenken nötig: Entwicklungspolitik sollte nicht mehr, wie bisher ihr Augenmerkt auf die Städte legen, sondern in den Regionen ansetzen, woher die Menschen kommen: vom Land! (UNCCD, 2008)


(22.07.2012, Aha)


Quellen:

Fachpublikationen:

 

Websites:

 

Videos:

 

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0