Kiribati

Phänomen:

  • Meeresspiegelanstieg

 

Zur Erklärung:

Am Beispiel der Politik des Inselstaates Kiribati wird deutlich, welche Konsequenzen der durch den Klimawandel bedingte Anstieg des Meeresspiegels auf die Bevölkerung von Staaten hat, deren Fläche größtenteils nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen.

Dabei bereitet die Führung des kleinen Staates systematisch die zu erwartende umweltbedingte Migration eines Großteils seiner Einwohner vor.



Phänomen: Meeresspiegelanstieg

© Thomas Kunadt
© Thomas Kunadt

Durch den Klimawandel bedingt, steigt der Meeresspiegel an. Dieser Prozess wird sich in den nächsten Jahrzehnten weiter fortsetzen. Dies führt nicht nur zur direkten Überschwemmung niedrig gelegener Gebiete, sondern hat besondere Auswirkungen auf die Süßwasservorräte der Inseln sowie auf die Flora. Zunehmend dringt mehr Salz in die Süßwasserspeicher ein und macht die Trinkwasserversorgung zunehmend schwieriger. Durch den Anstieg des Meeresspiegels kommt zudem mehr und mehr Salzwasser von unten an die Wurzeln von Pflanzen und erschwert den Anbau von Nahrungsmitteln.

 

Durch die beschriebenen Auswirkungen des Klimawandels verlieren die Einwohner von Kiribati ihre Lebensgrundlage. Mehr und mehr Nahrungsmittel müssen teuer importiert werden. Selbst wer nicht im Agrarbereich arbeitet, wird es zukünftig schwerer haben auf den Inseln zu überleben, auch wenn das eigene Haus nicht direkt überflutet wird. Denn wenn ein Großteil des Trinkwassers importiert oder energieaufwändig entsalzt werden muss, ist der Kleinstaat nicht mehr wettbewerbsfähig.

 


Migration und Adaption

Dies führt zwangsläufig dazu, dass mehr und mehr Einwohner ihr Land verlassen müssen. Doch ein Land zu finden, dass die etwa 100.000 Menschen aufnimmt ist nicht leicht. Größere Nachbarstaaten wie Australien und Neuseeland streuben sich, Klimaflüchtlinge in großer Zahl aufzunehmen. Daher verhandelt die Regierung bereits jetzt mit dem Staat Fidschi, wo es mehr Inseln vulkanischen Ursprungs gibt, die nicht so stark von Überflutung bedroht sind. Dort sollen etwa 2000 Hektar Land gekauft werden.

 

Migration hat in den Aufnahmeländern auch immer soziale Folgen. Besonders bei großen Flüchtlingswellen, bei denen viele Menschen mit geringem Bildungsniveau in ein anderes Land einwandern, erfolgt die Integration nicht immer reibungslos. Die Zuwanderer haben es häufig schwer, einen eigenen Arbeitsplatz zu finden. Die Regierung von Kiribati plant daher, die Einwohner erst nach und nach bis 2025 umzusiedeln. Dabei sollen zuerst vorwiegend Hochqualifizierte einwandern, die es leichter haben einen Job zu finden und sich somit besser integrieren können. Diese sollen den wirtschaftlichen Boden für weitere Einwanderer aus Kiribati bereiten.

 

Auch wenn das Vorgehen der Kiribatischen Regierung besonnen wirkt, so bleibt doch ein Aspekt nicht lösbar: den emotionalen Schmerz des endgültigen Verlusts der eigenen Heimat kann den Kiribatiern niemand nehmen.

(22.07.2012, cmh)


Quellen:


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