Lateinamerika und Karibik

Die lateinamerikanische und karibische Region setzt sich zusammen aus:

 

a) Lateinamerika

  • umfasst das Territorium vom Rio Grande an der Grenze zwischen Mexiko und den USA (Mittelamerika) bis zum Feuerland (Chile/Argentinien) (Südamerika) 
  • 20 Länder 
  • 20 Mio km2
  • 500 Mio. Einwohner

 

b) Karibik

  • Setzt sich aus Inselstaaten im Karibischen Meer zusammen (Westindische Inseln)
  • 36 Mio. Einwohner

 

Lateinamerika und die Karibik sind von folgenden Umweltphänomenen betroffen:

 

  • Buschbrände (Brasilien, Mexiko)
  • El Niño (Peru)
  • Erdbeben (Haiti, Chile)
  • Erdrutsche (Peru, Venezuela)
  • Desertifikation (Chile, Argentinien)
  • Dürre (Brasilien, Argentinien, Chile, Kolumbien)
  • Gletscherschmelze (Bolivien, Chile, Argentinien, Ecuador, Peru, Kolumbien, Mexiko)
  • Hitzewellen (Mexiko, Peru)
  • Meeresspiegelanstieg (Argentinien, Mexiko, Belize, Panama, Peru, Chile, Karibik, Guyana, Kolumbien, Ecuador)
  • tropische Stürme/Hurrikane (Nicaragua, Honduras, Mexiko, Argentinien, Belize, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Guyana, Panama, El Salvador, Uruguay, Venezuela, Brasilien)
  • Überflutungen (Bolivien, Venezuela, Peru, Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Mexiko)
  • Vulkanausbruch (Karibik)

 

Die Wiederkehr und Intensivierung bestimmter Naturphänomene tragen dazu bei, dass der Klimawandel in Lateinamerika und der Karibik bereits manifestiert ist.

 

Diese Region ist durch eine breitgefächerte Ökologie gekennzeichnet – sechs Länder (Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Mexiko, Peru und Venezuela) werden sogar als äußerst divers bezeichnet – und ist somit Umweltphänomenen und Klimawandel unterschiedlich aus-gesetzt. Der IPCCC Bericht von 2007 hat gezeigt, dass Lateinamerika und die Karibik bereits seit 1992 „höchst ungewöhnlichen Klimaereignissen“ ausgesetzt ist und diese in Zukunft zunehmen werden, da diese Region schon immer als katastrophengefährdetes Gebiet galt. Hurrikane erreichen mittlerweile oft Kategorie 4 - wie zum Beispiel die Hurrikane Dennis, Katrina, Rita und Wilma (alle aufgetreten im Jahr 2005) Der Höchstwert ist 5. Zudem wird das Gebiet vermehrt von Klimawandelphänomenen wie Dürren, Meeresspiegelanstieg und Gletscherschmelzen betroffen sein. Die meisten Studien hinsichtlich der Klimawandelauswirkungen in der Region zeigen, dass es zu Folgenden Veränderungen kommen könnte:

 

  • Niederschlagzunahme (im Südosten Brasiliens, in den argentinischen Pampas, Paraguay und Uruguay) und Niederschlagsverlust (Südliches Chile, Südwestliches Argentinien, Südliches Peru, westlicher Teil Mittelamerikas).
  • Temperaturveränderungen: In Zentralamerika und Südamerika wurde ein Temperaturanstieg von 1°C und in Brasilien von 0.5°C festgehalten.
  • Zunahme des El Niño Phänomens: Zwei extreme Vorkommnisse des El Niño Phänomens (1982-83 und 1997-98) und die Zunahme anderer Klimaextreme in dieser Zeit – eine Zu-nahme von 2,4 in der Zeitspanne 1997-2005- , haben erheblich zur Gefährdung der Bevölkerung durch Naturkatastrophen (Überflutungen, Dürre, Erdrutsche) beigetragen.

 

Neben den Wetter- und Klimabedingungen, haben das demographische Wachstum, unregulierte Verstädterung, Armut, wenig Investitionen in Infrastruktur, etc. negative Auswirkungen auf den Klimawandel.

 

Die UNEP stellen die möglichen Konsequenzen des Klimawandels dar (siehe Auswirkungen des Klimawandels und des El Niño).

 


Mittelamerika

Diese Region ist bekannt für heftige Niederschläge, tropische Zyklone, Überschwemmungen und Erdrutsche.

 

  • Länder: Belize, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama & Mexiko
  • geographische Lage/Ökologie:Mittelamerika liegt zwischen dem Pazifischen und Karibischen Meer und trennt Nord- und Südamerika. Die Region ist die Heimat einer beeindruckenden biologischen Vielfalt. Aufgrund ihrer geografischen Lage auf einem schmalen Landstreifen zwischen zwei Ozeanen und in der Inter-Tropical Convergence Zone (ITCZ) ist Mittelamerika nachteiligen klimatischen Bedingungen ausgesetzt.
  • Klimazonen: Die Region liegt zwischen ITCZ und El Niño Southern Oscillation (ENSO). Diese haben unterschiedliche Auswirkungen auf das relative kleine Gebiet. Während Nordmexiko in einer gemäßigten Zone liegt, ist die restliche Region Mittelamerikas tropischen Klimabedingungen mit kaum bemerkbaren Temperaturunterschieden ausgesetzt. ENSO verursacht oft Dürren, vor allem im trockenenKorridor, der die Hänge des Pazifik Mittelamerikas von Guatemala nach Norden Costa Ricas umfasst.
  • Temperatur: In den letzten 50 Jahren wurde ein Temperaturanstieg von 0.2°- 0.3°C pro Jahrzehnt nachgewiesen. Obwohl Studien fehlen, ist sich die Wissenschaft einig, dass die Erwärmungstrends weiter anhalten und über dem globalen Mittelwert liegen werden. Mit der Temperaturzunahme des Wassers, ist Lateinamerika außerdem zunehmend von Zyklonen betroffen
  • Niederschläge: Die Niedersschlagsstärke wird durch die Gebirgsstruktur geteilt: im Karibischen Hang fällt der Regen über das ganze Jahr in reichlichen Mengen, während die Gebiete an der pazifischen Küste Trocken- und Regenzeiten haben. In den letzten 50 Jahren hat sich die jährliche Niederschlagsmenge nicht verändert, jedoch aber die räumliche und zeitliche Verteilung der Niederschläge: während ein Gebiet heftigen Niederschlägen ausgesetzt ist, sind andere von geringeren Niederschlägen betroffen. Die Niederschlagsmengen werden im Durchschnitt abnehmen, aber es wird erwartet, dass sie in Costa Rica, Panama und einigen Teilen Mexikos zunehmen werden.

 

Folgen: Dürre vs. Überschwemmungen/Erdrutsche

  • trockenere Böden
  • Verdunstungen nach starken Niederschlägen

 

Es gibt wenige Studien hinsichtlich des Meerespiegelanstiegs in dieser Region. Allerdings gibt es Studien über Panama, die belegen, dass das Land jährlich einem Meeresspiegelanstieg von 1,3mm seit dem letzten Jahrhundert ausgesetzt ist. In Mexiko belegen Studien, dass das Land seit 30 Jahren 1,1-4,2 mm einen Meeresspiegelanstieg an verschiedenen Orten jährlich verspürt. Da die Bevölkerung sich besonders an den Küsten konzentriert, sind viele wichtige ökologische Bestände und die ökonomische Vielfalt durch einen Meeresspiegelanstieg gefährdet.

 

Besonderheit: Es wird erwartet, dass Mittelamerika vermehrt extremen Naturereignissen ausgesetzt sein wird:

  • Zunahme von Trockenextremen
  • Zunahme zykolnischer Ereignisse

Südliches Amerika

Diese Region ist bekannt für Gletscherschmelze und Desertifikation,

  • Länder: Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru (CAN), Argentinien, Chile, Paraguay, Uruguay (Southern Cone countries), Brasilien, Guyana, Suriname & Venezuela
  • geographische Lage/Ökologie: Die Region Südamerikas umfasst den Darien Gap, welcher Panama von Kolumbien trennt, bis hin zu Feuerland an der Südspitze und umfasst die Länder des südlichen Kegels Lateinamerikas (Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru, Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay), Brasilien und die drei Küstenländer Guyana, Suriname und Venezuela. Die Ökologie dieser Region ist sehr vielfältig: sie beinhaltet die trockenste Wüste der Welt, die Atacama, die Anden entlang der Westküste, den weltweit größten Regenwald, den Amazonas, und die fruchtbaren Ebenen der Pampas in Südamerika.
  • Klimazonen: Aufgrund der unterschiedlichen Ökologie ist die Regionen verschiedenem Klima ausgesetzt: tropisch-feucht in Amazoniens, semi-trocken in den Anden und trocken in den Wüsten zwischen Patagoniens und Antarktikas. Das Klima wird zudem vom ENSO Phänomen bestimmt, das bereits oft zu heftigen Niederschlägen, Hagelstürmen, Überflutungen und Dürren geführt hat.
  • Temperatur: Ein Temperaturanstieg von 0.5°- 1°C wurde in vielen Gebieten aufgezeichnet und werden laut Klimaprognosen vermehrt in den folgenden Jahren auftreten. Vor allem wird erwartet, dass sich der Amazonas aufgrund von Emissionsraten um 5°C bereits zwischen 2041-2070 erwärmen wird. Am Ende des Jahrhunderts könnte sich der Temperaturanstieg auf 7°C- 10°C verlaufen. Ähnliches wird für die Andenregion prognostiziert. Allerdings zeigt eine Studie der Wirtschaftskommissions Lateinamerikas und der Karibik (ECLAC), dass der Temperaturanstieg ebenfalls an Emissionsraten gekoppelt ist: während bei niedrigen Emissionsszenarien der Anstieg 1°-4°C beträgt, ist er 2° -6°C bei hohen Emissionsszenarien.

Folgen: Gletscherschmelze

 

Das wohl bekannteste Problem aufgrund des Temperaturanstieges in dieser Region ist die Gletscherschmelze. Veränderungen in Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind die primäre Ursache für den beobachteten Rückgang der Gletscher während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den tropischen Anden.

 

  • In Peru haben bereits kleine Gletscher 80% ihrer Oberfläche in den letzten Jahrzehnten verloren. Gletscher, die weniger als 5,000 Meter über dem Meeresspiegel liegen, könnten bereits zwischen 2015 und 2020 verschwunden sein.
  • Der Antizana Gletscher n Ecuador ist in den 1990er Jahren acht Mal mehr zurückgegangen als im vorherigen Jahrzehnt. Der Cotopaxi Vulkan hat 30% seiner Fläche zwischen 1976 und 1977 verloren.
  • Der Chacaltaya Gletscher in Bolivien hat bereits die Hälfte seiner Fläche seit den 1990er Jahren verloren.
  • Es wird erwartet, dass Kolumbien in diesem Jahrhundert all seine Gletscher verlieren wird.
  • Ähnliches wurde beim Ayoloco Gletscher und Iztaccíhualt Vulkan in Mexiko nachgewiesen.

Studien prognostizieren, dass Gletscherschmelze in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts weiter zunehmen wird, und dieser Verlust an Wasserreserven zur Landverödung und Desertifikation führen könnte.

 

Niederschläge: Niederschlagsmengen haben im Südosten Brasiliens, in Paraguay, Uruguay und den Pampas Argentiniens zugenommen, aber im südlichen Chile, südwestlichen Argentinien und südlichem Peru abgenommen. In Zukunft wird erwartet, dass heftige Niederschlagsereignisse in den tropischen und südöstlichen Regionen Südamerikas zunehmen werden.Dafür werden die Trockenzeiten, vor allem in Brasilien, länger andauern.

 

Folgen:Dürren

  • trockenere Böden
  • Verdunstungen nach starken Niederschlägen
  • Buschbrände

Tropische Regenwälder, vor allem in Amazoniens sind vermehrt Buschbränden, die durch Dürren, die von El Niño verursacht und die durchveränderte Landnutzung (Entwaldung, Holzernte und Waldfragmentierung) gefördert werden, ausgesetzt.


Zudem bedroht der Meeresspiegelanstieg Siedlungs- und Agrarflächen wie zum Beispiel im Rio de la Plata zwischen Argentinien und Uruguay. Peru ist jährlich einem 2-3mm höherem Meeresanstieg ausgesetzt.

 

Besonderheit: Wasserknappheit ist die größte Sorge dieser Region, da es zu einem größeren wirtschaftlichen Druck auf die ärmeren Teile der Gesellschaft, die bereits stark sind von der Wasserprivatisierungen, kommen wird. Ebenfalls werden extreme Naturereignisse weiter zunehmen

 

Die UNEP stellt die Auswirkungen von Gletscherschmelze auf den Meeresspiegelanstieg graphisch zusammengefasst dar.


Karibik

  • Länder: Bahamas, Turks Inseln, Caicos Inseln (Lucayan Archipelago/Karibisches Meer), Kaimaninseln, Kuba, Dominikanische Republik, Haiti, Jamaika, Puerto Rico (Große Antillen), und Staaten der Kleine Antillen, Anguilla, Antigua und Barbuda, Aruba, Curaçao, Dominica, Britische Jungferninseln, Karibische Antillen (Bonaire, Sint Eustatius and Saba), Guadeloupe, Monteserrat, Saba, Saint Bathélemy, Saint Kitts und Nevis, Saint Martin, Sint Maarten und Amerikanische Jungferninseln (Leeward Inseln) und Barbados, Grenada, Martinique, Saint Lucia, Saint Vincent, Grenandines, Trinidad und Tobago (Windward Inseln)
  • geographische Lage/Ökologie: Die Inseln liegen hauptsächlich im Karibischen Meer und sind Heimat einer vielfältigen Anzahl an Ökosystemen 
  • Klimazonen: ENSO, ICTZ
  • Temperatur: Zeichen von Temperaturanstieg: allgemeiner Temperaturanstieg (im Nordwesten mehr als im Osten).

 

Folgen: Dürren

  • Die Region wird trockener
  • Niederschläge:Niederschläge werden vor allem im Sommer insbesondere in der Großen Antillen Region zurückgehen


Zudem bedroht der Meeresspiegelanstieg Siedlungs- und Agrarflächen, da der Anstieg zu Überschwemmungen in den Küstenregionen, Salzwasserintrusion und Erosionen (insbesondere bei Sturmfluten) führen könnte. Vor allem tragen klimawandelbedingte Veränderungen des ENSOs sowie Vulkanische- und Plattentektonik dazu bei.

 

Besonderheit: Die karibischen Inseln müssen damit rechnen, teilweise oder vollständig unterzugehen. Mehr als 50% der Inselbewohner wohnen weniger als 1,5 km von der Küste entfernt.

Kenrick Leslie, der Direktor des Caricom Klimawandel Zentrums, fass die oben genannten Probleme in diesem Video zusammen.


Migration und lokale Adaption

  • Ca. ¾ der lateinamerikanischen und karibischen Bevölkerung sind gefährdet, von Katastrophen betroffen zu sein 
  • 1.011.014 intern Vertriebene halten sich in dieser Region auf
  • Temporäre Migrationnach Naturkatastrophen haben zu vorrübergehenden Umsiedlungen geführt, die dann zu dauerhafter Migration wurden. Ein Beispiel ist der Hurricane Katharina (2005) Durch Katharina wurden insgesamt 1,5 Mio. Menschen im Golf von Mexiko vorrübergehend umgesiedelt, wovon sich 500.000 Menschen dauerhaft am neuen Ort angesiedelt haben.
  • die Auswirkungen von Desertifikation in Lateinamerika und der Karibik auf das Migrationsverhalten sind noch nicht 100% bestätigt. Beispiele bestätigen, dass bestimmte Umweltphänomene, wie zum Beispiel Dürre, zu Migration als Adaptionsstrategie führen. Nach dem United Nations University’s Control, Adapt or Flee: How to Face Environmental Migration Artikel zur Folge, zeigen mexikanische Regierungsstatistiken, dass in Mexiko seit Mitte der 90er Jahre jährlich 900.000 Menschen aus ariden oder halbtrockenen Gebieten auswandern. Ein anderes Beispiel ist der Nordosten Brasiliens, in dem Migration in den Süden des Landes aufgrund von landwirtschaftlichen Verlusten durch Dürre bemerkt worden ist.
  • In der Karibik leben die meisten Einwohner weniger als 1,5km von der Küste entfernt und obwohl die küstennahen Gebiete Lateinamerikas gefährdet sind überschwemmt zu werden, gibt es wenige Studien über die Wahrscheinlichkeit, dass die Einwohner auf Grund des Meeresspiegelanstieges auswandern. Aber es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass sie Migration als Adaptionsstrategie in Betracht ziehen werden, wenn diese Haushalte zunehmend solchen Phänomen ausgesetzt sind, dass
  • Studien prognostizieren, dass vor allem der Wassermangel zu erhöhter Migration in Südamerika führen wird. Dies ist bereits in Patagonien und Cuyo, die eher für Zuwan-derung bekannt sind, bemerkbar. Dort findet Emigration auf Grund von Umweltängsten bereits statt. Ein Hauptgrund ist die Befürchtung, weniger Wasser zur Verfügung zu haben. Da Wasser außerdem zunehmend privatisiert wird und die Armen zunhemender von den negativen Auswirkungen betroffen werden werden, sind weitere Emigrationsströme wahrscheinlich.
  • IPCC prognostiziert, dass Land-Stadt-Migration bis 2050 um 50% zunehmen wird
  • Überschwemmungen und Erdrutsche haben bereits schon dazu geführt, dass Millionen von Menschen ihre Häuser verloren haben und somit zwangsweise umgesiedelt werden mussten. Der steigende Meeresspiegelanstieg führt oft zu interner Vertreibung.
  • Es wird allmählichder Zusammenhang zwischen menschlich veränderter Umwelt und Migration in der Wissenschaft anerkannt, wie zum Beispiel in Hispanola und Mexiko.

 

(02.09.2012, AW)


Quellen:


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